Nov 11 2015

Rezension „Ich entdecke meine Welt“ von Anja Krummeck

Veröffentlicht von um 13:37 unter Alltag

Heute möchte ich euch gerne von dem Buch „Ich entdecke meine Welt: Babyspiele ab 3 Monate“ berichten. Die Autorin Anja Krummeck selbst hat es mir netterweise zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt und so haben der Hase und ich es in den letzten Wochen für euch getestet. Jetzt möchte ich euch an unseren Erfahrungen teilhaben lassen.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: Spiele für das erste Lebensjahr und Spiele nach dem ersten Lebensjahr, wobei die Ideen bis zu einem Alter von 36 Monaten gehen, also die gesamte Baby- und Kleinkindzeit abdecken. Viele Spiele sind mit leichten Abwandlungen auch für ältere oder jüngere Kinder als angegeben geeignet. Da der Hase nun gerade seinen ersten Geburtstag gefeiert hat, habe ich mich in der Praxis aber vor allem mit dem zweiten Teil des Buches beschäftigt.

Das Buch hat ein praktisches handliches Format und liegt gut in der Hand. Die Texte sind kurz und gut verständlich, so dass man sich nicht lange mit dem Lesen aufhalten muss, sondern schnell losspielen kann. Für manche Spiele braucht es wenig Vorbereitung, für andere muss man einige Utensilien einkaufen. Als Materialien dienen vor allem alltägliche Haushaltsgegenstände, was mir sehr gut gefällt. Die Spiele decken eine große Bandbreite an Beschäftigungsmöglichkeiten für alle Sinne ab. Alle Spiele sind illustriert. Meinen Geschmack treffen die Zeichnungen der Babys nicht, jedoch bekommt man durch sie sofort eine Vorstellung, wie das Spiel funktioniert, so dass sie ihren Zweck in jedem Fall erfüllen.

Wenn ich mit meinem Kind spiele, geht es mir insbesondere um den gemeinsamen Spaß. Ich möchte dabei auf mein Kind eingehen und lasse mich von ihm inspirieren. Wir haben auch ohne entsprechende Spielanleitungen keine Langeweile und wissen uns zu beschäftigen. Wer jedoch unsicher ist, was er mit seinem Kind den ganzen Tag machen soll, und wer bestimmte Eigenschaften gezielt spielerisch fördern möchte, ist mit diesem Buch sehr gut beraten. Kleine Piktogramme lassen auf den ersten Blick erkennen, welche Sinne durch das jeweilige Spiel angesprochen werden und in welchem Alter die Kinder Spaß daran haben.

Gerade die Spiele für die unter Einjährigen dauern jeweils natürlich nur wenige Minuten, die älteren Kinder können sich schon deutlich länger mit den einzelnen Spielideen beschäftigen. Es sind viele kreative Ideen dabei, die so manchen Regentag, von denen wir im Herbst ja nun einige haben, retten können. Dazu zähle ich zum Beispiel den Kopfkissenbezug, der mit Luftballons gefüllt wird, die Schubladen, die zum Ausräumen mit unterschiedlichen Gegenständen befüllt werden oder die selbstgebauten Rasseln. Auch wenn es im Buch nicht erwähnt wird, kann man gerade die über einjährigen Kinder oder auch ältere Geschwister wunderbar in die Vorbereitungen mit einbinden. Als wir beispielsweise kürzlich Rasseln gebaut haben, hatte meine große Tochter viel Freude daran, geeignetes Rasselmaterial zu suchen und zu testen, welches Material welchen Klang erzeugt.

Andere Spiele wirken auf mich dagegen leider wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, wie beispielsweise das Spiel, bei dem mit einer Zange Gegenstände wie Kastanien, Tannenzapfen und Steine sortiert werden sollen. Warum sollte sich das Kind mit einer Zange abmühen, wenn es doch viel naheliegender ist, die Hände zu benutzen? Hier steht die Förderung der motorischen Fähigkeiten für mich zu sehr im Vordergrund und ich glaube nicht, dass die Verwendung der Zange bei den meisten Kindern ohne regelmäßige Ermahnungen aufrecht erhalten werden kann. Auch das Sortieren selbst wird bei vielen Kindern vermutlich über kurz oder lang in andere Spiele übergehen.

Ein weiteres Beispiel ist das Spiel, bei dem Wasser mit einer Spritze von einer Schüssel in die andere befördert werden soll. Letzteres ist zwar etwas, das meine Tochter beispielsweise schon von sich aus gemacht hat, aber genau hier liegt der Knackpunkt: Sie hat es von sich aus gemacht, weil sie in dem Moment einen Sinn für sich darin gesehen hat. Hätte ich ihr dieses Spiel (das übrigens für ein Alter von 36 Monaten gedacht ist) als Aufgabe gegeben und gesagt „du darfst nun das Wasser mit der Spritze in die andere Schüssel spritzen“, hätte sie sich vermutlich viele andere Dinge überlegt, die sie mit dem Spieleaufbau anfangen kann, aber nicht ihre „Aufgabe“ laut Spielanleitung erledigt.

Und genau das ist es, was mir bei dem Buch fehlt: Die Freiheit, dass das Kind seinen eigenen Ideen und seinem eigenen Forscherdrang folgt. Die Anleitung ist meist als „Das Kind darf nun dieses und jenes tun“ formuliert. Das impliziert für mich auch ein „darf nicht“ für alle anderen Möglichkeiten und manche Spiele laufen regelrecht auf ein „falsch“ oder „richtig“ hinaus, beispielsweise wenn das Kind mit Wattestäbchen Figuren nachlegen soll. Warum nicht stattdessen gemeinsam Figuren erfinden und legen? Diese Kritik kommt natürlich insbesondere bei den Spielen für die größeren Kinder zum Tragen, die Kleinen „müssen“ in dem Sinne noch keine Aufgaben erfüllen. Die starren Vorgaben können Mütter jedoch verunsichern, wenn ihr Kind sich nicht an die Anleitung halten mag – was sicher regelmäßig vorkommen wird. Die Autorin betont zwar eingangs, dass der Spaß an erster Stelle stehen sollte, ich würde mir aber ein deutlicheres Statement hierzu wünschen.

Als Ideengeber ist das Buch aus meiner Sicht unterm Strich also durchaus geeignet. Jedoch sollte man die Anleitungen nicht ganz so ernst nehmen und offen sein für das Spiel, das das Kind mit den bereitgestellten Materialien selbst entwickelt.

Hier nochmal alle Daten zu dem Buch:

Titel: Ich entdecke meine Welt: Babyspiele ab 3 Monate
Autorin: Anja Krummeck
ISBN: 9783738636659
Preis: 7,90 Euro

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