Feb 14 2015

Haushaltshilfe nach der Geburt

Veröffentlicht von um 00:18 unter Allgemein

Sechs bis acht Wochen dauert das Wochenbett, die ersten 7-10 Tage bezeichnet man dabei als Frühwochenbett. Viele Hebammen empfehlen, in diesen ersten Tagen nach der Geburt besonders viel zu liegen. Die emotionale und körperliche Umstellung in dieser Phase ist besonders groß, zudem muss sich der Beckenboden erholen, eventuelle Geburtsverletzungen müssen heilen, die Stillbeziehung muss sich einspielen. Wer zu früh wieder aktiv ist, dem drohen unter anderem Wochenfluss-Stau, Wochenbettdepressionen, Brustentzündungen und langfristig auch Beckenbodenprobleme. Leider sorgen unsere kleinfamiliären Strukturen dafür, dass viele Frauen schnell wieder alleine sind nach der Geburt. Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt die Krankenkasse dann eine Haushaltshilfe – auch wenn man manchmal etwas dafür kämpfen muss. Denn obwohl ich alle Voraussetzungen erfülle, wollte mir die Krankenkasse die Haushaltshilfe zunächst verweigern. Doch da sind sie an die Falsche geraten 😉 Für alle Frauen, die ebenfalls einen Ablehnungsbescheid ihrer Krankenkasse erhalten haben, will ich heute erklären, wie ich doch noch zu meinem Recht kam – vielleicht hilft es euch ja, wenn ihr dem Bescheid ebenfalls widersprechen möchtet.

In meinem Fall behauptete die Securvita BKK, der „Zustand nach Entbindung“ allein reiche nicht aus, um eine Haushaltshilfe zu beantragen. Ich sollte den Antrag nachbessern. Also bescheinigte mir meine Hebamme eine „Beckenbodenschwäche“ (die natürlich eine Selbstverständlichkeit nach jeder Geburt ist). Doch auch dies reichte der Krankenkasse noch nicht als Begründung, die Hebamme sollte ihre Bescheinigung noch einmal detaillierter ausfüllen. Beim dritten Mal zählte sie neben den selbstverständlichen Begleiterscheinungen einer Geburt also zusätzlich sämtliche Tätigkeiten auf, zu denen ich nicht in der Lage war (kochen, putzen usw.). Dieses Mal (die Bearbeitung des Antrags zog sich inzwischen schon über zwei Monate hin) kam dann nach diversen Anrufen und Ermahnungen irgendwann der Ablehnungsbescheid:

„Wichtig hierbei ist, dass ausdrücklich eine medizinische Indikation vorliegen muss, welche die Weiterführung des Haushalts verhindert.“ – Diese Aussage ist eine glatte Lüge, wie ich gleich noch herleiten werde. Doch weiter im Zitat: „Die Diagnosen Wochenbett / Entbindung und Beckenbodenschwäche sind nach einer Entbindung keine ungewöhnlichen Indikationen.“ – Die Indikationen müssen also ungewöhnlich sein, damit die Krankenkasse sie gelten lässt? Nun ja, springen wir gleich zum unverschämtesten Absatz des Schreibens: „Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass Sie nach der Entbindung in der Weiterführung Ihres Haushaltes eingeschränkt sind. Eine Bewilligung einer zusätzlichen Haushaltshilfe anhand Ihrer eingereichten Unterlagen ist daher nicht möglich.“ Wieso denn „daher“? Müsste es nicht „dennoch“ heißen (Sie sind eingeschränkt, dennoch bekommen Sie keine Hilfe von uns)? Und es ist ja nett, dass die Securvita Verständnis dafür hat, dass ich nach der Entbindung eingeschränkt bin, sehr gütig. Aber meine Tochter zum Kinderladen bringen und abholen, einkaufen, kochen, putzen… All das soll bzw. muss dann wohl doch drin sein und zwar direkt und unmittelbar nach der Geburt. Kurz das Blut wegwischen und dann wieder ab an den Herd. Denn auch wenn die Securvita mir zugesteht, dass ich „eingeschränkt“ bin – Hilfe gesteht sie mir nicht zu.

Doch genug aufgeregt. Das konnte ich so nicht auf mir sitzen lassen und zudem wollte ich natürlich das Geld wiederbekommen (das ich meiner Haushaltshilfe bereits vor über 2,5 Monaten bezahlt habe – was machen eigentlich Frauen, die bei 420 Euro nicht in Vorleistung gehen können?). Nehmen wir also die Gesetzeslage unter die Lupe:

Nach SGB V § 24f hat eine Frau nach der stationären Entbindung für sich und das Neugeborene Anspruch auf Unterkunft, Pflege und Verpflegung. Hierfür ist allein die Tatsache, dass die Frau sich im Wochenbett befindet, ausreichend. Will heißen: Nach einer Geburt kann ich ohne jegliche Begründung oder Diagnose einige Tage im Krankenhaus bleiben und mich dort verpflegen lassen. Meinen Haushalt muss ich in dieser Zeit logischerweise nicht weiterführen.

Der gleiche Paragraph besagt: „Die Versicherte kann ambulant in einem Krankenhaus, in einer von einer Hebamme oder einem Entbindungspfleger geleiteten Einrichtung, in einer ärztlich geleiteten Einrichtung, in einer Hebammenpraxis oder im Rahmen einer Hausgeburt entbinden.“

Nach SGB V § 24h erhält eine Versicherte Haushaltshilfe, soweit ihr wegen Schwangerschaft oder Entbindung die Weiterführung des Haushalts nicht möglich und eine andere im Haushalt lebende Person den Haushalt nicht weiterführen kann. Dass diese Voraussetzungen bei mir gegeben waren, hatte ich in meinem Antrag auf Haushaltshilfe hinreichend dargelegt. Spannend ist hier vor allem die Formulierung „wegen Entbindung“. Nicht „wegen schweren Folgen der Entbindung“, sondern klipp und klar nur wegen der Entbindung selbst.

Eure Argumentationshilfen sind also zum einen die Tatsache, dass eine Frau, die im Krankenhaus entbindet, keinerlei medizinische Indikation benötigt, um die Führung ihres Haushaltes nicht umgehend wieder aufzunehmen. Der gleiche Paragraph sichert auch das Recht auf eine Hausgeburt zu. Daraus kann man folgern, dass auch eine Frau, die ihr Kind zu Hause gebärt, den Haushalt nicht sofort weiterführen muss.

Zum anderen, dass der Gesetzestext die Entbindung als Grund nennt, dass eine Frau ihren Haushalt nicht weiterführen kann. Insofern ist eine Entbindung definitiv Grund genug, den Haushalt nicht weiterführen zu können.

Was immer zieht, ist zum einen die Ankündigung, man würde sich an den Ombudsmann wenden und zum anderen die Krankenkasse wechseln. Gepaart mit einer einwöchigen Frist hat dies bei mir zum gewünschten Erfolg geführt. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, die Sachbearbeiterin wäre auch nur mit einem Wort auf meine ausführliche Beschwerde eingegangen. Aber man kann nicht alles haben…

Vielleicht konnte ich ja der ein oder anderen Frau in einer ähnlichen Situation weiterhelfen. Gerne dürft ihr eure Tipps und Erfahrungen auch in den Kommentaren teilen!

Bisher 4 Kommentare

4 Kommentare to “Haushaltshilfe nach der Geburt”

  1. Sarah sagt:

    Nachdem mein Antrag auf HH nach der ambulanten Geburt meines dritten Kindes mit der Begründung, dass eine Entbindung kein ausreichender Grund für eine Haushaltshilfe sei, abgelehnt worden war, kam ich dank Google auf dein Blog. Mit Hilfe dieses Eintrags habe ich einen netten Brief an die KK verfasst und prompt kam ein Anruf mit einer Entschuldigung und die Genehmigung des Antrags. Vielen Dank für die ausführlichen Informationen hier.

  2. Caroline sagt:

    Hallo,

    ich war heute bei meienr Frauenärztin mit der Frage, ob Sie den Antrag auf HH für die KK ausfüllen könne. Ich bin erst in der 31 SSW, wollte mich aber schon vorher darum kümmern, damit ich den Stress danach nicht habe. Sie sagt, sie könne den Antrag nicht ausfüllen, da wir noch nicht wissen, welche Komplikationen, die dann die begründeten Indikationen für eine HH wären, auftreten könnten. Das müssten wir nach der Geburt entscheiden. Also auch hier schon seitens der FÄ eine Art Ablehnung. Ich dachte auch, dass die Entbindung als Erklärung reichen würde, aber viele erwähnen immer noch das Argument: “ Das haben wir früher auch alles nicht gebraucht und alleine geschafft.
    Danke für deine Informationen und deiner Willenskraft.

    Liebe Grüße

    Caro

  3. Bernadett sagt:

    Ich stecke momentan in der selben Problematik…
    wie lange konntet ihr die Haushaltshilfe in Anspruch nehmen?
    Wäre eventuell jemand so lieb und würde mir seinen Brief zur Verfügung stellen?
    Danke schon mal im Voraus!!

    • Anna sagt:

      Hallo, ich habe die Haushaltshilfe für eine Woche in Anspruch genommen, die Hebamme (oder ein Arzt) hätte aber natürlich auch eine längere Dauer verschreiben können. Inwiefern man dafür tatsächlich eine entsprechende Indikation benötigt, ist mir jedoch unklar.

      LG
      Anna

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