Feb 13 2015

Wenn das Kind den Blickkontakt vermeidet

Veröffentlicht von um 22:41 unter Entwicklung

Wir hatten bereits eine aufregende Zeit mit unserem Hasen. Denn siehe da: Der junge Mann hat konsequent jeglichen Blickkontakt vermieden. Eine Google-Suche brachte wenig beruhigende Ergebnisse – nur einige Mütter, die die gleiche Beobachtung bei ihren Kindern gemacht hatten, jedoch keine Info darüber, wie es weiterging. Und ansonsten vor allem Autismus, der in dem Alter (ca. 2 Monate) aber noch gar nicht diagnostiziert wird und zudem eher dadurch gekennzeichnet ist, dass ein Kind, das zunächst normal Blickkontakt aufnimmt, diesen später dann verweigert. Für alle, die wie wir nach hilfreichen Tipps suchen, nun also endlich ein Beitrag, der auch verrät, wie die Geschichte weiterging und was wir dafür getan haben 🙂

Ich bin ja an sich sehr entspannt bei der Entwicklung meiner Kinder. Klar, die Maus ist eh immer ganz weit vorne mit dabei, aber auch, wenn ein Schritt mal länger dauert, gerate ich nicht gleich in Panik. Irgendwann lernen die Kinder schon greifen/krabbeln/sprechen, auch ohne dass man sie hetzt.

Hier lag der Fall jedoch anders. Wir reden hier nicht von einem Entwicklungsschritt, den ein Baby früher, ein anderes später macht. Blickkontakt nimmt jedes Baby ab Geburt auf. Ein Baby ist auf Augen geprägt. Ideal ist hierfür der Abstand zwischen Gesicht und Brust, so dass sich Mutter und Kind beim Stillen verliebt in die Augen schauen können. Und genau das war bei uns nicht möglich. Im Gegenteil, der Hase hat sogar vehement den Kopf weggedreht, wenn man versucht hat, Blickkontakt aufzunehmen. Die wenigen Male, die er einen angeschaut hat, war man sich nie ganz sicher, ob er nicht eigentlich durch einen hindurchguckt. Blickkontakt ist die Basis für viele Entwicklungsschritte, für die emotionale Entwicklung, für das Spiegeln, für die Bindung…

Je älter der Hase wurde, desto mehr fiel uns der fehlende Blickkontakt auf. Das soziale Lächeln zeigte er zwar zu einem völlig normalen Zeitpunkt, jedoch lächelte er statt Menschen bevorzugt unsere Lichterkette oder das Sofa an. Problematisch daran ist vor allem, dass gerade die positive Reaktion des Kindes dafür sorgt, dass die Erwachsenen immer weiter mit ihm Schäkern. Fehlt diese Belohnung, werden die Bindungspersonen nicht animiert, sich weiter mit dem Baby zu beschäftigen.

Wir haben das Glück, dass meine Tante eine Marte-Meo-Therapeutin ist und uns umgehend unter ihre Fittiche genommen hat (Was ist Marte Meo?). Sie filmte uns einige Male und zeigte uns bei der Auswertung, in welchen Situationen unser Hase doch einmal Blickkontakt aufnahm und besprach mit uns vor allem, was wir dafür getan hatten – damit wir genau das in Zukunft noch intensiver tun konnten. Was wir taten, war an sich kein großes Geheimnis, denn es ist das, was jeder intuitiv mit einem Baby tut: Wir nahmen einen angenehmen Abstand zum Hasen ein, schafften eine ruhige, positive Atmosphäre, achteten auf seine Signale, benannten sie und sprachen freundlich mit ihm. In unserem Fall schien es mir vor allem wichtig, sich besonders viel Zeit zu nehmen. Eine große Schwester, die viel Aufmerksamkeit beansprucht, ein Vater, der sehr viel arbeitet – da kann sich so ein Baby schnell mal übersehen fühlen. Wir nahmen uns daher immer wieder ganz bewusst Zeit und versuchten, Kontakt aufzunehmen. Sobald der Hase wach und aufmerksam war, gab es nichts wichtigeres mehr.

Anfangs hielt der Hase dabei nur kurz Blickkontakt und brauchte selbst dafür eine sehr intensive Ansprache. Jedoch erzielten wir schnell Erfolge. Innerhalb weniger Wochen war unser Baby wie ausgewechselt. Es war, als hätten wir den Kleinen aufgeweckt – sein Blick wurde sehr viel klarer und er fokussierte uns, statt in die Ferne zu blicken. Er fing an uns anzulächeln und nahm nach einer Weile sogar von sich aus Blickkontakt auf. Inzwischen merkt man ihm die Startschwierigkeiten nicht einmal mehr an.

Unser Kinderarzt konnte mit dem Phänomen übrigens nichts anfangen. Natürlich weiß ich auch nicht, was passiert wäre, wenn wir nicht angefangen hätten, Blickkontakt mit ihm zu „üben“. Vielleicht hätte er von selbst die Kurve bekommen, vielleicht wäre er einer dieser Menschen geworden, die Blickkontakte nur schwer ertragen – wer weiß. Wenn ihr aber bei eurem Baby beobachtet, dass es konsequent den Kopf wegdreht, sobald ihr ihm in die Augen schauen wollt, schadet es sicher nicht, euch ganz besonders viel Zeit zu nehmen, viel mit eurem Baby zu sprechen und ihm zu zeigen, dass ihr seinen Bedürfnissen, Gefühlen und Handlungen Aufmerksamkeit schenkt.

Hat jemand ähnliches erlebt und mag berichten? Habt ihr Fragen? Ihr könnt mir dazu auch gerne eine E-Mail schicken (Adresse im Impressum).

Bisher 4 Kommentare

4 Kommentare to “Wenn das Kind den Blickkontakt vermeidet”

  1. Franziska Niermann sagt:

    Hallo Anna,
    ich habe soeben deinen Bericht gelesen und muss dir einfach schreiben. Wir haben eine 4 Monate alten Sohn und haben das selbe Problem mit dem Blickkontakt. Er haelt ihn manchmal teilweise kurz aber nicht sehr lange und wenn man ihm sehr nahe kommt, weicht er aus. Auf dem Arm dreht er seien Kopf auch ständig von einem weg. Ich mache mir hierzu auch große Sorgen werde aber vom Kinderarzt nicht ernst genommen. Auch ich bin immer Internet immer wieder auf Autismus gestoßen und bin sehr beunruhigt. Es gibt aber manchmal ganz selten Momente wo er den Blick haelt…aber diese sind halt sehr selten. Auf laecheln reagiert er meistens.
    Ich freue mich auf Antwort eine Antwort von Ihnen.
    Liebe Grüße Franziska Niermann

  2. Nicole sagt:

    Hallo, ich Danke dir für deinem Bericht! Denn hin und wieder hab ich das auch mit meine kleinen Maus (4 1/2 Monate). Besonders schade finde ich es, wenn es mir beim stillen auffällt. Aber es ist auch manchmal im normalem Alltag, wenn man versucht sie anzuschauen. Im liegen schaut sie mich öfter an, als im sitzen (Wiegegriff). Ich habe mich in letzter Zeit darum dabei mehr auf sie konzentriert, anstatt nebenbei beim stillen z.B. zu essen und hab das dann später gemacht. Dein Bericht bestärkt mich, damit auf dem richtigen Weg zu sein und noch mehr Kontakt aufzunehmen als ich es schon habe (Windelfrei hilft auch super bei der Kommunikation!), bzw zu versuchen meinen Freund dafür zu ermuntern, da es häufig auch bei ihm auftritt.

  3. Dorothee sagt:

    Hey,
    was für’n schöner Beitrag!
    😀

    Liebe Grüße von der Marte-Meo-Tante

  4. Nazmiye sagt:

    Hallo,
    Ich wollte dir Anna erstmal ganz groß danken.

    Dafür, dass du dir Zeit genommen hast, um ein Erlebnis,
    was positives beinhaltet mit uns zu teilen.

    Denn genau das machen viele von uns nicht.
    Erst wenn wir ein negatives Ergebnis haben oder sauer sind,
    und wenn wir nicht zufrieden sind, dann teilen wir es unsere
    Mitmenschen mit. Leider sieht es dann im Internet so aus:
    „Ich hab ein Problem“ google findet unser Problem mit
    tausend negativen infos. Aber es sind eigentlich 10.000
    Positive Ereignisse bei diesem Problem. DIESE SCHREIBT KEINER
    UND FINDET KEINER… was passiert? Wir bekommen Angst und
    Panik. Ich sage jetzt nicht, dass wir auf Ärzte vertrauen sollen.
    für die ist alles irgendwie normal. Man muss sogar für rezepte
    kämpfen. Kind läuft nicht.. ist normal… kind kann nicht schreiben,
    ist normal, kind redet nicht ordentlich, ist normal.und kommt noch.

    Aber wir können unsere Kinder besser abschätzen. Wir merken,
    wenn etwas nicht stimmt.

    Vergisst aber nicht, jedes Kind ist eine eigene Person und
    entwickelt sich anders.
    GIBT EUREN KLEINEN ZEIT.. Wenn auf Papier steht ab 3 Monate muss es
    nicht mit 3monaten passieren.
    Und liebe Leute teilt eure freude und eure Erfolge mehr.
    Nimmt euch Zeit um andere Eltern zu beruhigen.
    Meist word ne Frage gestellt, Omg mein kind macht das nicht. Aber
    diese Personen schreiben nach paar Monaten nicht was danach passiert
    ist.

    Tut mir leid dass ich soviel schreibe, habe ein frühchen zuhause, und
    es gab im internet überwiegend verrücktmacher, als mein Kind im
    Brutkasen lag und ich mich bekloppt gemacht habe. JEDEN TAG 3
    MONATE …

    Ich sag nochmals Danke Anna, dass du dir Zeit genommen hast,
    Und dein positiv Endendes Erlebnis auch mit uns geteilt hast. Respekt..

    MfG

    Memis

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