Feb 12 2015

Geburtsvorbereitung mit HypnoBirthing

Veröffentlicht von um 22:51 unter Geburt

Wie ihr ja vielleicht in meinem neuesten Geburtsbericht gelesen habt, habe ich mich auf meine letzte Geburt gezielt mit Hypnobirthing vorbereitet. Heute will ich euch genauer sagen, was HypnoBirthing eigentlich ist, wie es funktioniert und ob sich der Besuch eines Kurses lohnt.

Eine Geburt ohne Schmerzen – ist das überhaupt möglich? Laut Marie F. Mongan, der Erfinderin des HypnoBirthing, ist es das mit der richtigen Vorbereitung auf jeden Fall. Bedenkt man, dass viele Frauen große Angst vor den Schmerzen während der Geburt haben, klingt das sehr vielversprechend. Was muss man also dafür tun, dass man schmerzfrei gebären kann? Hier kommt der Trick: Vor allem keine Angst haben. Wer ängstlich ist, verkrampft sich. Wer verkrampft ist, hat eine schmerzvolle Geburt. Denn Geburt bedeutet loslassen, entspannen, öffnen, die Wehen positiv annehmen.

Tatsächlich hatte ich bereits vor der ersten Geburt keine Angst. Meine Voraussetzungen waren also denkbar günstig. Geburt ist für mich (und war es schon immer) eine Urgewalt, ein einmaliges Ereignis, kraftvoll, bereichernd, weiblich. Wir Frauen können das, sind sogar genau dafür geschaffen. Ich habe mich auf meine Geburten gefreut, auf diese wichtigen, eindrucksvollen Ereignisse, die der Startschuss für das Leben mit einem neuen Erdenbürger sind. Ob dabei Schmerzen im Spiel sind, war mir egal. Denn ich wusste, ich werde damit umgehen können.

Genauso war es dann bei der ersten Geburt. Ich war auch da schon ziemlich entspannt und habe die Wehen positiv angenommen. Die Geburt war daher überwiegend schmerzarm, allerdings tat es definitiv weh, ganz besonders in der letzten Geburtsphase.

War es diesmal anders? Ja, denn ich habe dank HypnoBirthing daran gearbeitet, wie ich das, was ich während der Wehen fühle, interpretiere. Wer Schmerzen erwartet, wird Schmerzen haben. Ich habe dieses Mal keine Schmerzen erwartet und tatsächlich auch eine (bis auf die letzten ca. 5 Minuten) schmerzfreie Geburt gehabt. Natürlich habe ich trotzdem etwas gespürt. Kraftvolle Wellen haben mich mitgerissen. Aber ich habe sie bewusst genossen, habe mich hineingestürzt, bin mitgeschwommen. Und so hat mein Gehirn die Wehen als intensives, fast lustvolles Gefühl interpretiert, nicht jedoch als Schmerz.

Ein treuer Begleiter während einer HypnoBirthing-Geburt ist die Atmung. Daher lernt man im Vorfeld drei Atemtechniken: Die Ruheatmung nutzt man, um zwischen den Wehen einen tiefen Entspannungszustand zu erreichen bzw. aufrecht zu erhalten. Die Wellenatmung wendet man während der Wehen an. Sie unterstützt einen dabei, den Muttermund zu öffnen. Ist dieser komplett eröffnet, wird sie von der Geburtsatmung abgelöst, mit der man sein Baby herausatmen soll. Letzteres ist mir trotz guter Entspannung nicht mehr ganz so lässig gelungen, wie ich es mir vorgenommen hatte 😉 Dennoch war diese Phase sehr viel besser auszuhalten als bei der ersten Geburt, zumal sie sehr viel kürzer war. Statt zwei Hände zu zerquetschen, brauchte ich nur eine Hand, um etwas Halt zu haben. Mit der anderen Hand konnte ich mein Baby ertasten und herausführen. In den – zugegeben sehr kurzen – Wehenpausen war ich weiterhin sehr entspannt.

Die Atemtechniken übt man vor der Geburt über Monate hinweg intensiv ein, damit man sie auch in so einem Ausnahmezustand noch abrufen kann. Insbesondere die Ruheatmung findet im Vorfeld Anwendung während der Entspannungsübungen, die im HypnoBirthing-Buch erläutert werden. Wichtig ist es, möglichst täglich (z.B. mit der beiliegenden CD) in einen tiefen Entspannungszustand zu gelangen. Ob man diesen Zustand nun als Hypnose, Trance oder Meditation bezeichnet und auf welchem Wege man dort hingelangt, ist dabei meiner Meinung nach fast egal. Wichtig ist, dass man während der Geburt quasi auf Knopfdruck in diesen Zustand kommen kann. Je entspannter man ist, desto einfacher und schmerzärmer die Geburt. Um schneller dorthin zu gelangen, kann man je nach Belieben auch Anker setzen – beispielsweise einen Duftanker oder einen Berührungsanker, so dass ein bestimmter Duft oder eine bestimmte Berührung helfen, schnellstmöglich wieder in diesen Zustand zu gelangen.

Bei besagter Berührung kommt der Geburtsbegleiter ins Spiel, der auch sonst im HypnoBirthing eine große Rolle spielt. Natürlich kann man auch alleine HypnoBirthing machen. Leichter ist es jedoch mit einem Partner, mit dem man vorher gemeinsam übt und der einem auch während der Geburt hilft, fokussiert zu bleiben und immer wieder zurück in den Entspannungszustand zu gelangen. Gerade bei Krankenhausgeburten ist der Partner natürlich auch als Vermittler mit dem Personal gefordert, denn jegliche Unterhaltungen können die Gebärende aus ihrer Tiefenentspannung reißen.

Das HypnoBirthing-Buch liefert eine detaillierte Anleitung zu der Methode und sicher ist es möglich, sich nur anhand des Buches auf die Geburt vorzubereiten. Ich bin jedoch sehr froh, einen HypnoBirthing-Kurs besucht zu haben. Zum einen hat mein etwas lesefauler Partner so sämtliche relevanten Infos kompakt vorgetragen bekommen, vom Zusammenspiel der Hormone, über die Atemtechniken bis hin zu seiner wichtigen Rolle als Unterstützer. Zum anderen haben wir im Kurs neben den Atemtechniken gezielt einige der Entspannungstechniken aus dem Buch eingeübt, was mir sehr viel Sicherheit für die folgenden Übungssessions alleine zu Hause gegeben hat. Weiterhin haben wir im Rahmen des Kurses einen Berührungsanker gesetzt und die Entspannungsmassage ausprobiert. Da ich dem Lerntypen „Learning by Doing“ entspreche, hilft mir das sehr viel besser weiter, als mir die Praxis anhand der Texte eigenständig anzueignen. Unsere liebe Kursleiterin hat uns sogar eine eigens eingesprochene Entspannungsübung als Audiodatei zur Verfügung gestellt, mit der ich sehr viel erfolgreicher geübt habe als mit den Originaltracks, zumal ich durch die Übungen an den Kurstagen bereits auf ihre Stimme eingestellt war. Auch wenn der Kurs aktuell leider nicht von der Krankenkasse bezahlt wird (obwohl er aus meiner Sicht eine bessere Geburtsvorbereitung darstellt als die meisten klassischen Geburtsvorbereitungskurse), war er deshalb in meinen Augen jeden Cent wert.

Bisher ein Kommentar

Ein Kommentar to “Geburtsvorbereitung mit HypnoBirthing”

  1. Carolin sagt:

    Toller Beitrag und auch der Geburtsbericht. Ich habe eine Hypnogeburt im Krankenhaus erlebt und war von dieser Art der Vorbereitung begeistert. Ich hatte vorher auch extreme Ängste und konnte diese auflösen. Die Wellen habe ich ebenso nicht als schmerzhaft empfunden sondern als gewaltige Kraft des Körpers. Meine Geburt war absolut rasant ( 4 Std als Erstgebährende) und ohne die gute Vorbereitung hätte ich es nicht so gut geschafft.

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