Feb 18 2014

Das geht uns alle etwas an!

Veröffentlicht von um 23:31 unter Geburt,Schwangerschaft,Vorsorge

Ich habe lange nichts mehr gepostet – einerseits, weil es nicht viel zu berichten gab, andererseits, weil mir die Zeit fehlte bzw. ich sie lieber für andere Dinge genutzt habe. Nachdem sich die Lage für die Hebammen nun aber so zuspitzt, muss ich auch mal wieder meinen Senf dazugeben…

„Freiberufliche Hebammen – sind das nicht die mit den Hausgeburten? Das ist mir viel zu unsicher, ich gehe lieber ins Krankenhaus und bin deshalb von der aktuellen Entwicklung eh nicht betroffen.“ Das mögen wohl viele denken, wenn sie am Rande mitbekommen, dass die Versicherungsprämien weiter ins Unermessliche steigen und es ab Sommer 2015 nicht mal mehr einen Versicherer gibt. „Kein Wunder, dass die niemand versichern will, zu Hause gebären ist ja auch total gefährlich.“ – Und schon sind alle Vorurteile bestätigt und beruhen doch auf gravierenden Irrtümern. Denn leider ahnen viele nicht, was wirklich dahinter steckt – und die Berichterstattung geht für meinen Geschmack auch häufig nicht intensiv genug darauf ein.

1. Grund für die steigenden Versicherungsprämien sind nicht steigende Fallzahlen, bei denen etwas schief geht. Im Gegenteil, die Fallzahlen sinken. Durch bessere medizinische Möglichkeiten haben die geschädigten Personen heutzutage jedoch eine höhere Lebenserwartung, wodurch wiederum die Pflegekosten steigen.

2. Es geht beim Hebammenprotest nicht um Hausgeburten! Freiberufliche Hebammen bieten von Vorsorgeuntersuchungen über Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse bis hin zur Wochenbettbetreuung und Stillberatung eine Vielzahl an Dienstleistungen an – nur ein kleiner Teil ist in der außerklinischen Geburtshilfe tätig. Insbesondere die Wochenbettbetreuung ist für die meisten Familien eine wichtige Hilfe in den ersten Wochen mit dem Neugeborenen – ganz egal, wo dieses zur Welt gekommen ist. Ohne freiberufliche Hebammen müssen wir genau darauf in Zukunft verzichten.

3. Viele Hebammen arbeiten als sogenannte Beleghebammen, betreuen also Krankenhausgeburten. Auch das sind freiberufliche Hebammen und auch sie können ihren Beruf ab Sommer 2015 nicht mehr ausüben, wenn nicht schnell eine Lösung gefunden wird!!

4. Auch festangestellte Hebammen stehen vor dem Versicherungsproblem, da die Absicherung über ihren Arbeitgeber nicht ausreicht und sie auf eine Zusatzversicherung angewiesen sind.

5. In Deutschland gibt es eine Hinzuziehungspflicht. Will heißen: Die Leitung einer Geburt obliegt den Hebammen, Ärzte müssen deshalb immer eine Hebamme hinzuziehen. Gibt es keine Hebammen mehr, gibt es nach derzeitiger Gesetzeslage auch niemanden mehr, der eine Geburt leiten darf.

6. Immer mehr kleine Geburtsstationen schließen, weil sie sich die Versicherung nicht leisten können. Immer mehr Geburten finden deshalb in den verbliebenen großen Krankenhäusern statt. Dies hat viele negative Folgen: Die Frauen müssen immer weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen, insbesondere ländliche Gebiete sind völlig unterversorgt. Die Geburtsstationen sind oft überlastet. Für natürliche Geburten bleibt kaum Zeit, schließlich wartet bereits die nächste Gebärende, dass der Kreißsaal frei wird. Die Anzahl der Interventionen steigt.

7. Uns Frauen wird die freie Wahl des Geburtsortes genommen. Wollen wir das wirklich mit uns machen lassen?!

8. Schon jetzt sind viele Hebammen gezwungen, ihren Beruf (und damit in der Regel auch ihre Berufung) aufzugeben. Damit geht ein großer Erfahrungs- und Wissensschatz verloren. Das dürfen wir nicht riskieren!

Ihr wollt euch für die Hebammen einsetzen?
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Bisher 2 Kommentare

2 Kommentare to “Das geht uns alle etwas an!”

  1. Hilbert sagt:

    Interessant in dem Kontext ist auch, dass die Zusatzversicherung teurer wird, weil der technische Fortschritt bei Komplikationen den betreffenden Kindern ein langes Leben ermöglicht und so die Kosten auch länger anfallen. Entweder die Krankenkasse kommt den Hebammen entgegen oder die Leistungen der Hebammen werden extra bezahlt.

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