Nov 18 2011

Buch-Rezension „Warum wir keine Tiere essen“

Veröffentlicht von um 18:32 unter Ernährung

Heute schreibe ich zur Abwechslung mal eine Buch-Rezension. Die Künstlerin Ruby Roth hat mir ihr Kinderbuch „Warum wir keine Tiere essen“ zur Verfügung gestellt. Es ist „ein Buch über Veganer, Vegetarier und alles Lebendige“ und seit Sommer 2010 auch bei uns in Deutschland erhältlich. Auf 48 Seiten erklärt Roth kindgerecht, welche Bedürfnisse Tiere haben, wie es ihnen in Tierfabriken ergeht und welche Rolle die Abholzung des Regenwalds spielt. Die vielen kurzen Texte hat Roth in ihrem markanten Stil liebevoll illustriert.

Warum wir keine Tiere essen - Ruby RothAls vegetarisches oder gar veganes Kind hat man es nicht leicht. Das weiß ich aus eigener Erfahrung – seit der Grundschulzeit esse ich bereits kein Fleisch mehr und habe seitdem locker mehrere hundert Male die obligatorische Frage nach dem Warum beantwortet. Nun, in meinem Fall lautete die Antwort „Ich mag kein Fleisch“ und im Nachhinein betrachtet hat mir das scheinbar viele Diskussionen erspart 😉 Denn mittlerweile lebe ich seit 3 Jahren vegan und beantworte die Warum-Frage mit „aus ethischen Gründen“. Diese Antwort veranlasst manche Menschen, neugierig nachzufragen, bei anderen scheint es eine Art Rechtfertigungsreflex auszulösen („Ich esse ja auch nur ganz wenig Fleisch und wenn dann Bio“), und wieder andere fangen an, mir etwas von Mangelernährung oder der Überlegenheit des Menschen zu erzählen.

Als Kind wäre ich damit sicher heillos überfordert gewesen, zumal ich von ethischen Gründen, die gegen Fleischkonsum gesprochen hätten, schlicht und ergreifend keine Ahnung hatte. Sicher, so wie die meisten anderen Kinder hatte ich einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und fand es gemein, Tiere zu töten oder zu verletzen. Was das aber mit dem eigenen Konsumverhalten zu tun hat, wissen die wenigsten, wenn sie nur das abgepackte Fleisch aus dem Supermarkt kennen.

Und genau hier setzt das Buch „Warum wir keine Tiere essen“ an. Es hilft den Kindern zu verstehen, warum es in der eigenen Familie vielleicht kein Fleisch gibt – kann aber auch gemeinsam mit den omnivoren Freunden angeschaut werden, wenn diese wissen wollen, warum sich ein Kind für eine bestimmte Lebensform entschieden hat.

Roth macht in ihrem Buch deutlich, dass wir uns in unseren Wünschen und Bedürfnissen gar nicht so sehr von den Tieren unterscheiden – wir brauchen unsere Familie, unsere Freunde, Bewegungsfreiheit, Sonnenlicht, frische Luft. Wir spielen, trauern, freuen uns, genauso wie es auch die Tiere tun. Die Autorin beschreibt liebevoll die Eigenheiten diverser Tierarten, beispielsweise dass die Puten je nach Stimmungslage die Farbe ihrer Hautlappen wechseln und sich nachts gegenseitig mit ihren Flügeln bedecken. Fast im gleichen Atemzug erklärt sie jedoch, wie es in den Tierfabriken zugeht – dass die Puten ihre Flügel dort niemals benutzen können und so sehr gemästet werden, dass sie zu schwer zum Fliegen sind. Auch die Zeichnungen wechseln von bunten harmonischen Bildern immer wieder zu düsteren, traurigen Szenen aus der Massentierhaltung.

Da das Buch zum Teil wirklich sehr düster ist und auch die Texte nicht so leicht verständlich sind, kann ich der mancherorts genannten Altersempfehlung von 4 Jahren nicht folgen. Andere Quellen empfehlen 6 Jahre oder sogar ein noch höheres Alter. Ich denke auch, dass das Buch ab dem Grundschulalter angemessen ist. Roth selbst sagt richtigerweise, dass es nie zu früh sein kann, Kinder mit der Welt, in der wir leben, zu konfrontieren – nur kommt es eben auf die Art an, in der wir dies tun. Das Buch „Warum wir keine Tiere essen“ liefert dabei eine sehr gute Gesprächsgrundlage und kann sicher vielen vegetarischen und veganen Kindern dabei helfen, ihren Freunden zu erklären, warum sie auf bestimmte Produkte verzichten.

Wenn ihr also vegetarisch oder vegan lebt, vegetarische oder vegane Kinder oder Freunde habt, oder euch einfach nur über das Thema informieren wollt, kann ich euch das Buch auf jeden Fall empfehlen. Es ist am 7. Juni 2010 im Echo-Verlag erschienen und kostet 14,90 Euro, ISBN 978-3-926914-51-4.

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