Sep 15 2010

Unsere wunderschöne Haus-Wassergeburt

Veröffentlicht von um 14:04 unter Geburt

So, nun habe ich ein paar Tage nichts geschrieben – aus gutem Grund: Am 10.9., also ET+6, bin ich endlich Mama geworden! Hier also nun unser Geburtsbericht:

Los ging es am Donnerstag um kurz nach 4 Uhr – ziemlich exakt 24h vor der Geburt – damit, dass der Schleimpfropf abgegangen ist. Daraufhin hatte ich periodenstarke Unterleibsschmerzen, aber noch durchgehend und nicht in „Wehenform“.
Nachmittags kam dann die Hebamme zum 2. CTG und hat dann erstmals auch den Wehenschreiber angeschlossen. Da kamen die Unterleibsschmerzen dann auch langsam wellenartig, also nicht mehr durchgehend, sondern mit Pausen. Eine kurze MuMu-Untersuchung ergab: 2 cm geöffnet, Köpfchen fest eingestellt. Kann also bald losgehen 😉
Ich hab noch gesagt, dass wir uns überlegt hatten, dass 8.9., 9.9. und 10.9. schöne Daten wären. 8.9. war schon vorbei und sie meinte, 9.9. wird knapp, aber 10.9. könnten wir schaffen 🙂
Abends hab ich dann ein Bad genommen und hatte dabei schon alle 5 Minuten Wehen mit je 40-50 Sekunden Dauer – mein Mann hat fleißig die Uhr im Auge behalten und mir immer Bescheid gesagt, wann die nächste Wehe kommen müsste. Irgendwann haben die Wehen aber wieder aufgehört.
Mein Mann ist ins Bett gegangen, weil er ziemlich erschöpft war – und wer weiß, wann wieder Zeit zum Schlafen ist 😉
Ich hab noch ein wenig ferngesehen und dabei immer wieder Wehen gehabt. Irgendwann hab ich mich zu meinem Mann ins Bett gelegt und versucht, auch noch wenigstens ein wenig zu dösen. Im Bett waren die Wehen aber ziemlich unangenehm und ich bin dann wieder aufgestanden und hab mich dabei auf den Wickeltisch gestützt. Keine Ahnung, ob die Wehen zu dem Zeitpunkt regelmäßig kamen. Ich weiß auch nicht, wie lange sie gedauert haben, ich war völlig überfordert damit auf die Uhr zu schauen und mir irgendwelche Zahlen zu merken 😉
Ich hab dann beschlossen, dass es wohl langsam Zeit ist für den Geburtspool. In der Wanne hatte mir das Wasser sehr gut getan, ich fand aber die Rückenlage und die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten nicht so angenehm. „An Land“ fand ich es angenehm, vornübergebeugt auf dem Wickeltisch zu lehnen und der Pool bot mir die Kombi Wasser + nach vorne aufstützen.
Also meinen Mann geweckt, könnte so gegen 12 gewesen sein, und den Pool mit Wasser befüllt. Ich hab außerdem noch die Kerzen angezündet und den Geburtssoundtrack angemacht, den ich mir extra zusammengestellt hatte.
Die Atmosphäre im Geburtsraum war einfach wunderschön, Kerzenschein, schöne Musik im Hintergrund und mein Mann hat fleißig die Wehen notiert und mir wieder immer (naja, meistens ;-)) Bescheid gesagt, wenn die nächste kommt. In den Wehenpausen hab ich mich immer zurückgelehnt und während der Wehen dann nach vorne gebeugt und auf den Rand des Pools gestützt.
Die Wehen wurden immer intensiver und so hab ich angefangen, die Wehen auf „JAAAAA“ zu beatmen. Ich konnte sehr gut umsetzen, was ich mir vorgenommen hab: Die Wehen positiv anzunehmen und mich darauf zu konzentrieren, dass ich mich entspanne und mich öffne. Dabei hab ich noch fleißig mein Becken bewegt.
Zwischendurch bin ich immer mal aufs Klo gegangen, das hat mich jedes Mal komplett aus dem Rhythmus gebracht. Aber alles, was in der Toilette landet, landet nicht im Pool 😉 Ich hab also immer versucht, Wehenpausen abzupassen, aber das hat nicht wirklich funktioniert und die Wehen waren an Land sehr unangenehm.
Irgendwann kamen die Wehen dann alle 2-3 Minuten und mit 40-60 Sekunden Dauer und ich dachte, wir sollten wohl mal die Geburtshelfer anrufen, damit sie das Finale nicht verpassen. Es war eine komische Situation, mein Verstand sagte mir „so eine Geburt dauert viel länger, es kann noch gar nicht so weit sein“, während mein Gefühl ganz klar wusste, dass es nun nicht mehr lange dauert.
Also erstmal meine Mutter angerufen, die dann um 3 Uhr bei uns war. Schon kurz bevor sie eintraf, hatte ich das dringende Bedürfnis, auch endlich der Hebamme Bescheid zu sagen. Das hat mein Mann dann gemacht, als meine Mutter gerade angekommen war.
Die Hebamme hat die Situation glaube ich erstmal völlig falsch eingeschätzt, weil ich noch so entspannt war und auch die Wehen noch so gut beatmen konnte. Sie meinte noch am Telefon zu mir, dass ich ruhig ab und zu mal aus dem Pool rauskommen soll um den Kreislauf anzuregen und ich dachte nur „Nix da, aus dem Pool rauskommen geht gar nicht mehr“. Hab ich ihr aber nicht gesagt, sondern mir gedacht, wenn sie hier ist, sieht sie ja, wie weit ich schon bin 😉
Noch während wir auf die Hebamme gewartet haben, hatte ich während der Wehen immer einen Pressdrang und mein Körper hat einfach mitgeschoben. Ich hab mich noch gefragt, wie manche Frauen es schaffen, die Presswehen zu verhecheln – ich war in dem Moment völlig wehengesteuert und hab meinen Körper einfach machen lassen, aber was anderes hätte ich auch gar nicht gekonnt.
Als die Hebamme dann um halb 4 kam, hab ich zu ihr gesagt „Ich hab immer schon so einen Pressdrang“ und sie sagte „Das höre ich, deshalb bin ich jetzt sehr auf deinen Muttermund gespannt“. Ich dachte noch, wenn ich jetzt für irgendeine Untersuchung aus dem Pool raus muss, dann dreh ich durch, aber zum Glück musste ich mich nur in den Vierfüßlerstand begeben. Die Hebamme hat kurz geschaut und dann verkündet, dass der MuMu bereits komplett eröffnet ist. Ich war nicht wirklich überrascht, hab mich aber gefreut, dass mein Gefühl gestimmt hat 🙂
Die Presswehen wurden mit der Zeit immer stärker und ich hab mich den Wehen einfach komplett hingegeben. Zwischendurch hat die Hebamme noch 2 Mal die Herztöne abgehört, das hab ich aber nur am Rande mitbekommen. Irgendwann hat ihr Gerät dann wohl den Geist aufgegeben, aber das hab ich erst hinterher erfahren, das ist während der Geburt völlig an mir vorbeigegangen.
Während der Pressphase ist auch die Fruchtblase geplatzt. War ein witziges Gefühl, weil ich ja schon im Wasser war. Auf einmal kam da so eine warme Wolke aus mir raus. Ich wollte den anderen noch sagen, dass die Fruchtblase geplatzt ist, aber ich war so mit den Wehen beschäftigt. In dem Moment hat meine Mutter das aber auch festgestellt und so musste ich die Feststellung nur mit einem „ja“ bestätigen – dafür hat’s gerade noch gereicht 😉
Ich hätte mich in dieser Phase gerne mal zurückgelehnt und eine Pause gemacht, aber dafür war zwischen den Wehen einfach keine Zeit, mal davon abgesehen, dass das Zurücklehnen in dem Moment auch total unangenehm war. Also verbrachte ich die ganze Zeit auf den Knien, die meiste Zeit nach vorne auf den Rand gelehnt. Während der Wehen hab ich die Hände meines Mannes zerquetscht, das hat gut geholfen 🙂
Kurz bevor das Köpfchen kam, was ich dann auch schon kurz ertastet habe, meinte die Hebamme dann „Über den Widerstand musst du rüber“ und ich dachte, wow, gleich hab ich’s schon überstanden. Ich hab also geschoben, geschoben, geschoben, scheiße tat das weh! Irgendwann wurde dann das Köpfchen geboren. Dann muss das Kind ja so eine Vierteldrehung machen, damit die Schultern rauskommen können. Das hat sich angefühlt, als würde das Kind den Kopf wild hin- und herschütteln (sollten die Schmerzen mit der Geburt des Köpfchens nicht nachlassen???) und ich hab nur gedacht „Jetzt halt doch still, Kind, das tut weh“. Mit der nächsten Wehe hab ich das Kind um 4:15 Uhr dann komplett rausgeschoben.
Und dann schwamm da vor mir im Wasser ein kleiner Mensch. Ich wusste natürlich, dass da am Ende ein Baby bei rauskommt, aber realisiert hab ich das erst in dem Moment. Ich hab das Kind also hochgehoben und an mich gedrückt und war völlig sprachlos. Zum Dank hab ich erstmal eine Ladung Kindspech in die Hand bekommen 😉
Irgendwann ist mir eingefallen, dass ich ja mal gucken könnte, was es ist – lustiger Moment, da hatte ich vorher gar nicht dran gedacht 😉 Als wir dann nachgeschaut hatten, verkündeten wir ihren Namen:  Mäuschen.
Ach ja, in dem Moment, in dem ich die Maus aus dem Pool gehoben hatte, kam gerade die Hebammenschülerin rein und ich meinte noch zu ihr „Tut mir leid, nun hast du die Geburt gerade verpasst“.
Da hockte ich dann mit der Maus im Pool und die anderen haben uns mit Handtüchern zugedeckt. Die waren natürlich immer sofort durchgeweicht und so haben sie ständig neue Handtücher auf uns draufgelegt. Irgendwann wollten wir dann aufs Bett umziehen und als ich aufgestanden bin, kam  direkt im Pool noch die Nachgeburt. Praktisch, so hab ich den Geburtsraum nicht weiter eingesaut 😉
Wir sind dann also ins Bett umgezogen und haben gekuschelt. Mein Mann hat abgenabelt und ich habe die Maus das erste Mal gestillt. Dann haben sich die anderen erstmal in die Küche verzogen und haben uns in Ruhe kuscheln lassen. Irgendwann kamen sie wieder und die Hebamme hat die U1 gemacht. Die Maus ist mit 3750 Gramm, einer Größe von 52 cm und 35 cm Kopfumfang zur Welt gekommen.
Anschließend war ich dran und sie hat meinen Dammriss 2. Grades genäht, den ich mir leider zugezogen hab. Das war noch einmal sehr unangenehm, aber irgendwann war auch das überstanden.
Anschließend sind wir ins Schlafzimmer umgezogen, wo meine Mutter für alle ein leckeres Frühstück aufgetischt hat – ich war auch total hungrig in dem Moment und habe ein Brötchen nach dem anderen verdrückt. Dann sind unsere Geburtshelfer gegangen und wir haben weiter gekuschelt und geschlafen.

Nun ist die kleine Maus schon ein paar Tage auf der Welt und wir freuen uns über ein entspanntes und zufriedenes Baby! Am 4. Tag nach der Geburt hatte sie bis auf 25 Gramm ihr Geburtsgewicht schon wieder erreicht – kein Wunder, so viel wie wir stillen 😉

Wenn sich hier alles etwas eingependelt hat, werde ich also aus unserem Alltag mit Baby berichten – insbesondere auch von unserem Windelfrei-Start, den wir für nächste Woche geplant haben, wenn der Dammriss verheilt ist und ich wieder etwas mobiler bin. Bis dahin genießen wir nun erstmal weiter unser Wochenbett 🙂

Bisher 6 Kommentare

6 Kommentare to “Unsere wunderschöne Haus-Wassergeburt”

  1. anniefee sagt:

    Uijuijui, da gratuliere ich mal !
    ist ja ganz schön groß, die Kleine.. hatte gedacht, Dammrisse kommen bei natürlichen Geburten nicht vor, aber naja.. du nimmst das ja gut hin, anscheinend 😉 dann wünsche ich mal gutes Still-Lernen (da lauern ja einige potenzielle Probleme, aber bist ja informiert).. auch sonst
    Alles Gute !

  2. Anna sagt:

    Dankeschön 🙂
    Also die ersten Stillschwierigkeiten haben wir schon hinter uns gebracht – am Anfang hat mir die Maus noch ein paar Knutschflecken verpasst, aber inzwischen sind wir schon echte Profis 😉 Hoffen wir mal, dass es weiter so gut läuft!
    Leichte Dammrisse können eigentlich immer vorkommen und verheilen in der Regel auch recht gut wieder (sehr viel besser als Dammschnitte), aber sie kommen bei Haus- und Wassergeburten tatsächlich sehr viel seltener vor als im Krankenhaus. Und ich frage mich, ob ich den Riss hätte vermeiden können, wenn ich am Ende etwas langsamer gemacht hätte. Ich weiß es nicht, letztendlich kann ich es nun auch nicht mehr ändern. Inzwischen darf ich jedenfalls auch wieder sitzen (hatte 1 Woche Sitzverbot) und der Riss ist schon sehr gut wieder verheilt, insofern find ich es nicht weiter tragisch, dass ich gerissen bin. Dafür lief die Geburt ja ansonsten nun wirklich traumhaft ab, da kann man so einen kleinen Riss schon mal verschmerzen 🙂

  3. Aminah sagt:

    Liebe Anna,

    ein wirklich toller Geburtsbericht! Nachträglich ganz herzlichen Glückwunsch zu deiner Tochter!!!
    Es hört sich alles so an, als ob sie dein erstes Kind ist?!
    Ich stehe einen Tag vor ET mit dem ersten Kind und möchte gerne eine Hausgeburt machen.
    Ich habe in letzter Zeit viele HG-Berichte gelesen, aber die meisten waren keine Erstgebärenden.

    Dein Bericht hat mir Mut gemacht. So wie es aussieht erwarte ich auch ein „großes“ Mädchen.
    🙂

    Viele liebe Grüße
    Aminah

  4. Anna sagt:

    Hallo Aminah,

    danke für deine Glückwünsche, ja, die Maus ist meine erste Tochter.
    Ich wünsch dir alles Gute für die Geburt und dass sie so verläuft, wie du es dir wünscht! 🙂

    Lg
    Anna

  5. Sandra sagt:

    Hallo Anna!

    Nachträglich noch alles Gute zur Geburt eurer Tochter!
    Im April bekomme ich mein drittes Kind und plane zum ersten mal eine Hausgeburt. Ich hatte eben echt Tränen in den Augen bei deinem schönen Geburtsbericht. Ich kann es kaum mehr erwarten bis unser Männlein zur Welt kommt.

    Supertolle Website, vielen Dank dafür!

    LG und alles Gute,
    Sandra

  6. Frank sagt:

    Hallo Anna,

    ich bin sehr froh, deinen Blog gefunden zu haben. Wir möchten ebenfalls eine Hausgeburt durchführen und gerade für mich als Mann war bisher unklar, was da auf mich zukommt. Dein Bericht hat mir sehr geholfen – und hilft uns natürlich unheimlich bei den Vorbereitungen 😉

    Herzlichen Dank!
    Frank

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